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Evergreens aus fünf Jahrzehnten

Beim Kneipenfestival rockte und groovte es auf den Tanzböden

gg Ankum. Nach einem Jahr Pause entpuppte sich der Kneipenfestival Ankum Live in diesem Jahr wieder als Anziehungspunkt für Partyfans und Junggebliebene. Hits, Rock`n Roll und Evergreen am laufenden Band, viele alte Bekannte, die den Weg kreuzten und ideale Witterungsbedingungen waren Garanten für einen Partyabend, der bis in die Morgenstunden anhielt.

Nicht zuletzt auf einen hohen Spaßfaktor hatten die beteiligten Wirte bei der Veranstaltung gesetzt. Mit dazu bei trugen drei Spaßvögel aus Münster, die als „Die Drei Nikoläuse“ unter anderem den Barry-Mailow-Hit „Oh Mandy“ mal kurz in „Oh Handy“ umgedichtet hatten und damit der Mobilfunkgesellschaft einen Spiegel vorhielt oder als Sternekoch Tim Melzer die Schlagzeugsticks durch frische Poreestangen ersetzten.

Mit Sebastian Hegener oder Achim Bütow hatten aber auch Alleinunterhalter ganz puristisch mit ihrer Akustikgitarren keine Mühe, ihr Publikum zu begeistern. Das Rock´n Roll jung hält, bewiesen die Rock-Opas`s, die sich, eingezwängt zwischen Theke, Publikum und improvisierter Tanzfläche in der Gaststätte Franzkenpatt verausgabten. Die Mitglieder von Hardys Revival Band können zusammen immerhin auf über 200 Jahre Bühnenerfahrung verweisen. Schlagzeuger Rolf Springmeyer ist mit seinen 68 Lenzen in der Band der Benjamin. Hardy alias Reinhard Wille dagegen ist Jahrgang Mick Jagger (1943) und hat die Evergreen mit seinen 74 Jahren noch voll drauf. „Johnny be good“, „Roll over Beethoven“ oder Buddy Holly`s „That will be the day“.

Das Publikum rockte, tanzte und gröhlte mit. Titel, die viele Partyfreaks lange nicht gehört hatten, servierte „Feelin Good“ im Zelt in der Dorfmitte. Canned Heat`s „One the Road again“ oder unvergessene Titel von Inga Rump oder Rory Gallagher. Erinnerungen erwachten. Kaum ein Durchkommen gab es im Heimathaus an der Michelstiege. Hier ließ „Wippstert“ die Zuhörer wippen. Die Plattdeutschpoeten mit Frondman Bruni alias Markus Bruns überzeugten mit eigenen Song, bezogen die Zuhörer mit ein und hinterließen mit ihrem Auftritt im Heimathaus eine exzellente Visitenkarte. Eine solche hinterließen auch „4Live“ mit brillanter handgemachter Mucke.

Nicht nur Sänger Josef Behrens, auch der Schwagstorfer Manuel Wessel verausgabten sich bei ihrer Interpretation von „Highway to hell“ mit Schweißperlen auf der Stirn. Ganz anders das Repertoire der „Grünen Jungs“ aus Mettingen. Die Bläser- und Drummerformation zog durch die Hauptstraße , nistete sich in diversen Kneipen ein und sorgten da, wo sie musizierten für Stimmung und gute Laune.

Text + Fotos: Georg Geers

Mit dem Dixiland-Express durch die Dorfstraße

Hits von Udo Lindenberg bis Glenn Miller bei „Ankum Live“

So ziemlich jeder, dem der Sinn nach Oldies, aktuellen Chart-Hits oder auch Dixiland-Klängen steht, kam am Samstag in „Ankums guter Stube“ auf seine Kosten. Acht Kneipen entlang der Hauptstraße boten den Besuchern neben ihrem sonst üblichen „Getränkeprogramm“ richtig was auf die Ohren. Richtig Laune machten die „Original Salzsieders“, die Hubert Heile mit seinem Planwagen durch das Dorf kutschierte. Gäste waren bei seinen Kurztripps natürlich immer mit an Bord.

Eine Postkarte an der Wand in der Gaststätte Billenkamp, brachte das auf den Punkt, was viele Besucher in dem kleinen Lokal hautnah miterlebten. Eine Sau, die eine Reihe Ferkeln säugte, war auf der Karte zu sehen. Der Text in der Sprechblase: „Geile Bar – aber sauvoll hier“ passte auf die brechend volle Kneipe, auf deren kleiner Bühne „The Beat“ musikalisch alles gaben, was in den 1960er und 1970er Jahren up to date war und als Evergreen auch heute noch Musikfans begeistert. Eines ihrer letzten Wochenende in „Freiheit“ genoss Barbara Wöllermann, die mit 15 Freundinnen von Kneipe zu Kneipe zog. Ihr pinkfarbener Jogginganzug, der Schleier und der mit allerlei Krimskamps gefüllte Bauchladen ließ unschwer erkennen, was die gut gelaunte Dame demnächst vorhat. Die Clique feierte Junggesellinnenabschied, denn am 16. Oktober wird geheiratet. „Highway to hell“ auf dem Akkordeon. Wie soll denn das gehen? Bob Casino und seine Musikertruppe aus Essen zeigten es und rockten bei Raming, was das Zeug hielt.

Piano, Gitarren und italienische Balladen genossen neben einem süffigen Glas Wein die Freunde leiserer Klänge im Restaurante Luccese. War das nun die letzte Party auf dem Saal des Landhotel Schmidt? Diese Frage stellten sich viele Besucher in dem einst angesagtesten Lokal in Ankums Dorfmitte. Die Band „The New Empire“ setzte Mark Austermühle dort am Mischpult mit gekonnter Lightshow ins rechte Bühnenbild. Ihrem Namen machte die Partyband „New Dancefloor“ bei Dücker gleich im doppelten Sinne alle Ehre. Nach dem Abriss des Festsaals hatte man „Ankum Live“ auf einen kleineren Dancefloor verlegt. Zwei musikalische Klassiker, seit Jahren feste Bestandteile der Ankumer Kneipennacht, rockten in der „Sportsbar Sixtyfive“ und in der Gaststätte „Franzkenpatt“. Als Udo Lindenberg, mit Hut, lässiger Sonnenbrille und typischem Lindenberg-Slang nahm Maddoxx-Frontman Peter die Partygänger mit auf Hamburgs „Reeperbahn“ und machte „Sein Ding“. In den 1970er Jahren standen die Jungs, die sich im Franzkenpatt um Roland Röger geschart hatten und die Kneipe musikalisch aufmischten, auf allen Bühne in der Region. Mit den „Mattocks, den „Sixpence“ oder „Hardys Band“ waren Bernd Schumacher, Hermann Lampe und Roland Röger seinerzeit unterwegs und zeigten eindrucksvoll, dass sie die alten Hits nicht verlernt hatten. „Auch „Repeat the Beat“, die im Gasthaus Bergmann gastierte, haben ihre musikalische „Silberhochzeit“ bereits hinter sich und stehen seit über 25 Jahren gemeinsam auf der Bühne.

Als allerbeste Launemacher schlechthin erwiesen sich die „Original Salzsieders“. Mit einem Planwagen tourten sie durchs Dorf und verbreiteten unter den mitfahrenden Gästen ausgelassene Stimmung. Klarrinetist Peter Gösling, mit 73 Jahren der älteste Musiker der Veranstaltung, zeigte mit seinen Kollegen Wolfgang Seack, Harald Fiedler und Rüdiger Fussy, mit wie viel Spaß man Oldtime-Jazz und Dixi unter das Publikum bringen kann. Weit gefehlt, wenn man bisher dachte, dass dieses Genre sich auf „Icecream“ oder „Sentimental Journey“ beschränkt. Sogar von Elvis hatte das lockere Quartett etwas im Programm.

Text und Fotos: Georg Geers